Der schmale Grat zwischen Himmel und Erde
Routenverlauf

Die vierte Etappe des Malerwegs startet in Altendorf und führt über 18,3 km in rund 7,25 Stunden Gehzeit durch abwechslungsreiches Gelände mit 553 Höhenmetern im Auf- und 662 im Abstieg.
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Die vierte Etappe des Malerwegs führt auf 18,3 Kilometern von Altendorf zur Neumannmühle. In rund 7 Stunden und 15 Minuten Gehzeit überwinden wir spektakuläre Pfade durch die Schrammsteine. Wir steigen auf zur Schrammsteinaussicht, wandern vorbei an den Affensteinen, dem Beuthenfall und dem Lichtenhainer Wasserfall bis zum Kuhstall und zur Neumannmühle.

Dem sächsischen Zeichner und Radierer Johann Carl August Richter (1785–1853) ist diese Etappe gewidmet. Er war ein Schüler von Adrian Zingg, dem Schöpfer des Namens „Sächsische Schweiz“. Richters detailreiche, kolorierte Kupferstiche wie das Werk „Kuhstall“ fingen die charakteristische Schönheit und raue Atmosphäre der Felsenlandschaft meisterhaft ein.

Die steile, enge Dorfbachklamm verbindet Altendorf mit dem tiefen Kirnitzschtal. Über knapp 100 Höhenmeter führen uns die 1938 errichteten Wege und Eisentreppen hinab zur Kirnitzsch. Schon lange vor dem Tourismus nutzten die Altendorfer Steinbrecher diesen Pfad als täglichen, beschwerlichen Arbeitsweg zu den berühmten Postelwitzer Steinbrüchen.

Der idyllische Flößersteig ist der älteste forstliche Lehrpfad der Sächsischen Schweiz. Er führt direkt an der Kirnitzsch entlang und dokumentiert die jahrhundertealte Tradition der Holzflößerei. Ab 1580 wurde das im Gebirge geschlagene Holz mithilfe von Schleusen und der Kraft des Wassers bis auf die Elbe getrieben, um den enormen Brennholzbedarf Sachsens zu decken.

Im Jahr 1660 wurde die Ostrauer Mühle im Kirnitzschtal als Mahl- und Sägewerk erbaut. Nach einem verheerenden Brand entstand hier ein florierendes Sägewerk mit moderner Holzmehlproduktion. In den 1950er-Jahren schliefen Wandernde noch auf dem Heuboden des Schuppens, woraus sich bis heute einer der beliebtesten Campingplätze der Region entwickelte.

Um auf dem Malerweg zu bleiben und die Route fortzusetzen, biegen wir kurz vor der Pension Ostrauer Mühle rechts ab. Der Weg führt uns nun stetig bergauf, wo wir der klaren Beschilderung folgen. So verlassen wir den Campingplatz im Kirnitzschtal und wandern weiter hinauf in die majestätische und wilde Welt der Schrammsteine.

Die Sächsische Schweiz gilt weltweit als Wiege des Freikletterns. Die Besteigung des Falkensteins im Jahr 1864 begründete diese Tradition. Nach den seit 1910 festgeschriebenen „Sächsischen Kletterregeln“ darf nur mit eigener Körperkraft und ohne künstliche Hilfsmittel geklettert werden. Seit 2024 gehört das Bergsteigen in Sachsen zum Immateriellen Kulturerbe.

Die Schrammsteine bilden eine langgestreckte, stark zerklüftete Felskette mit 80 Gipfeln. Ihr Name leitet sich vom mittelhochdeutschen Wort für „aufreißen“ ab, was auf die tiefen Risse und Klüfte verweist. Das imposante Große Schrammtor gleicht einer gewaltigen Felsgasse und bildet den majestänischen Eingang in dieses wildromantische Felsmassiv.

Die Schrammsteinaussicht thront auf spektakulären 417 Metern Höhe. Der abenteuerliche Aufstieg führt uns über Leitern, Eisentreppen und schmale Stufen hinauf zum abgesicherten Riff. Oben angekommen, belohnt uns der Aussichtspunkt mit einem grandiosen Rundblick über die Tafelberge, das tiefe Elbtal und die weite, tschechische Böhmische Schweiz.

Unter dem Begriff „Boofen“ versteht man in der Sächsischen Schweiz das traditionelle Übernachten unter schützenden Felsvorsprüngen. Diese historisch gewachsene Bergsteigertradition ist im Nationalpark streng reglementiert. Das Schlafen im Freien ist nur Kletternden an den 58 offiziell gekennzeichneten Plätzen außerhalb der Brut- und Schonzeiten erlaubt.

Die Affensteine schließen sich an die Schrammsteine an und faszinieren durch bizarre Felsnadeln. Ihr Name geht vermutlich auf Uhus zurück, die im Althochdeutschen „Auf“ genannt wurden. Wandernde zieht es hier besonders zum Carolafelsen, dem mit 458 Metern höchsten Gipfel der Gruppe, der uns weite Ausblicke über die gesamte wilde Felsenwelt bietet.

Vor dem Abstieg in den Kleinen Dom lohnt sich der Abstecher zum Domerker, einem wunderschönen, stillen Rastplatz direkt links des Malerwegs. Von hier blicken wir auf das imposante Massiv der Domkanzel, deren kathedralenartiger Felsaufbau steil aufrägt. Vor uns erstreckt sich ein grandioses Panorama über Falkenstein, Torsteine und die Hohe Liebe.

Der Kartograf Rolf Böhm ist eine echte Institution in der Sächsischen Schweiz. Seit über 40 Jahren zeichnet er Wanderkarten in feinster Handarbeit mit Tusche und Reißfeder. Jedes Detail, von Felsspalten bis zu Ruhetagen der Bauden, erfasst er persönlich im Gelände. Seine ästhetischen Meisterwerke besitzen unter Wandernden längst absoluten Kultstatus.

Pionierpflanzen wie Birken, Moose und das Waldweidenröschen sind die ersten Wegbereiter der Natur auf kahlen Flächen. Nach dem schweren Waldbrand im Nationalpark im Sommer 2022 besiedelten sie rasch die Ascheflächen. Gemäß dem Nationalpark-Motto „Natur Natur sein lassen“ schaffen sie ganz ohne menschliche Hilfe das Fundament für einen neuen Mischwald.

Mitten durch den Nationalpark rattert die Kirnitzschtalbahn, liebevoll die „Gelbe Dame“ genannt. Seit 1898 befördert der kleinste Straßenbahnbetrieb Sachsens Fahrgäste auf knapp acht Kilometern von Bad Schandau zum Lichtenhainer Wasserfall. Ein umweltfreundliches Highlight: Rund 30 Prozent des benötigten Fahrstroms werden direkt aus Sonnenenergie gewonnen.

Der Lichtenhainer Wasserfall wurde ab 1830 durch ein aufziehbares Wehr künstlich angestaut, um Gästen für ein Trinkgeld ein tosendes Schauspiel zu bieten. Nach einer Zerstörung durch ein Hochwasser im Jahr 2021 fließt der restaurierte Wasserfall seit Ende 2024 wieder. Die direkt am Fall gelegene Pension bewirtet Wandernde bereits in der fünften Generation.

Der Kuhstall auf dem Neuen Wildenstein ist nach dem Prebischtor das zweitgrößte Felsentor des Elbsandsteingebirges. Das monumentale, 11 Meter hohe Tor diente im Dreißigjährigen Krieg als schützendes Versteck für das Vieh der Bauern. Über die spektakuläre, enge Himmelsleiter steigen wir hinauf zum Plateau der einstigen, mittelalterlichen Burg Wildenstein.

Der heutige Malerweg weicht an einigen Stellen vom historischen „Fremdenweg“ des 18. Jahrhunderts ab. Während frühere Schweizreisende oft im Elbtal oder direkt an der Kirnitzsch entlangwanderten, führt uns die moderne Route über die Höhen der Schramm- und Affensteine. Beide Wege treffen sich am imposanten Lichtenhainer Wasserfall wieder.

Kurz vor dem Erreichen der Felsenmühle biegen wir scharf rechts ab, um direkt auf den historischen Flößersteig zu gelangen. Hier wandern wir am malerischen Beginn des Kleinen Zschands. Wer den Tag lieber entspannt ausklingen lassen möchte, kann alternativ der Kirnitzschtalstraße bequem bis zum heutigen Etappenziel an der Neumannmühle folgen.

Eingebettet zwischen Sandsteinklippen liegt die Neumannmühle, eine der besterhaltenen historischen Sägemühlen des Tals. Schon im 14. Jahrhundert stand hier eine Mühle, die später mit einer innovativen Holzschliffanlage ausgestattet wurde. Heute dient das detailgetreu sanierte Technische Denkmal Wandernden als Museum, urige Berghütte und gemütliche Einkehr.