Durch das Reich der Tafelberge
Routenverlauf

Die sechste Etappe des Malerwegs startet in Schmilka-Hirschmühle und führt über 17,3 km in rund 7 Stunden durch das Reich der großen Tafelberge.
Audioguide

Die sechste Etappe führt auf 17,3 Kilometern von Schmilka-Hirschmühle nach Gohrisch. Mit 641 Höhenmetern ist sie die konditionell anspruchsvollste Strecke des gesamten Malerwegs. Über den historischen Aschersteig wandern wir vorbei an der barocken Kirche Reinhardtsdorf, durch das Krippental und erklimmen am Ende kurz nacheinander Papststein und Gohrisch.

Der anstrengende Aschersteig verdankt seinen Namen den historischen „Ascherern“, die in den Wäldern Holz zu Pottasche für die Glas- und Seifenherstellung verbrannten. Die rund 270 Stufen führen uns steil in der direkten Falllinie bergauf. Der Pfad windet sich durch Millionen Jahre alte Sedimentschichten der Kreidezeit und ist wegen des feinen Sands oft rutschig.

Aus der offenen Hochebene von Schöna ragen die Kaiserkrone und der Zirkelstein wie zwei gewaltige Felsmonumente empor. Die isolierten Tafelberge entstanden durch Jahrmillionen anhaltende Erosion. Beide dienten Caspar David Friedrich als direkte Vorlage und Hintergrund für sein weltberühmtes romantisches Meisterwerk „Der Wanderer über dem Nebelmeer“.

Am Fuße der markanten, dreizackigen Kaiserkrone schlug Caspar David Friedrich am 3. Juni 1813 sein Skizzenbuch auf. Seine Zeichnung der felsigen Kuppe diente als exakte Vorlage für den markanten Vordergrundfelsens seines berühmtesten Gemäldes. Eine Infotafel des Caspar-David-Friedrich-Wegs markiert diesen geschichtsträchtige Ort für Wandernde.

Das idyllische Waldhufendorf Schöna thront seit 1379 auf der Hochebene. Prächtige Drei- und Vierseithöfe zeugen vom historischen Reichtum durch fruchtbare Lösslehmböden. Traditionelle Umgebindehäuser prägen das Dorfbild, darunter ein Gebäude mit der Heimatstube, die das entbehrungsreiche Leben der lokalen Sandsteinbrecher um 1900 dokumentiert.

Mit seinen 343 Metern Höhe ist der isolierte Wolfsberg eine der strategisch besten Aussichtskanzeln der Sächsischen Schweiz. Sein Panoramablick über das gesamte Elbsandsteingebirge inspirierte schon Caspar David Friedrich, der die Silhouette des Zirkelsteins und des tschechischen Rosenbergs von hier als Bildhintergrund für seinen weltberühmten „Wanderer“ zeichnete.

Das um 1200 gegründetete Waldhufendorf Reinhardtsdorf beherbergt mit seiner Dorfkirche von 1688 ein Prachtstück des sächsischen Bauernbarocks. Die kunstvollen Emporenmalereien von 1680 zeigen biblische Szenen, die von Künstlern direkt in die heimische Felsenwelt hineinkomponiert wurden. Ein naher historischer Pfad diente früher als beschwerlicher „Leichenweg“.

Der Kupferstecher Adrian Zingg (1734–1816) gilt als der Mann, dem wir den Namen „Sächsische Schweiz“ verdanken. Gemeinsam mit Anton Graff wanderte der einflussreiche Dresdner Professor durch die Schluchten. Das Heimweh nach dem heimischen Schweizer Jura inspirierte die Freunde zu dem Begriff, der bald durch Wanderführer zum offiziellen Namen wurde.

Im Jahr 1813 floh Caspar David Friedrich vor Napoleons Truppen nach Krippen und hielt die wilde Natur im „Krippener Skizzenbuch“ fet. Der nach ihm benannte 15 Kilometer lange Wanderweg führt an zwölf Informationstafeln vorbei. Hier können wir seine historischen Zeichnungen direkt an Ort und Stelle mit der heutigen realen Landschaft vergleichen.

Das idyllische Fachwerkdorf Krippen im schattigen Tal des Krippenbachs blickt auf eine traditionsreiche Geschichte zurück. Durch Platzmangel und die Industrialisierung wandelte sich das dichte Dorf im 19. Jahrhundert radikal. In Krippen erfand Friedrich Gottlob Keller das Holzschliffpapier, und auch Caspar David Friedrich fand hier 1813 Zuflucht vor den Kriegswirren.

Auf unserem Pfad zwischen Krippen und Kleinhennersdorf wandern wir durch das Forstrevier Reinhardtsdorf, das sich mitten im Waldumbau befindet. Borkenkäfer und Dürre lichten die alten Fichten-Monokulturen. Auf den Totholzflächen wachsen Pionierpflanzen wie Birken und Weiden heran und schaffen ein robustes Habitat für seltene Mops- und Bechsteinfledermäuse.

Die 1572 erbaute Liethenmühle ist eine der besterhaltenen historischen Mühlenanlagen auf unserem Weg. Nach jahrhundertelanger Nutzung als Mahl-, Brett- und Webmühle wurde sie 1902 als gemütliche Gastwirtschaft wiedereröffnet. Zu DDR-Zeiten diente das ehrwürdige Fachwerkgebäude als Betriebsferienheim der Uhrenwerke Ruhla. Heute lädt sie zur Rast im Biergarten ein.

Der 392 Meter hohe Kleinhennersdorfer Stein ist der unberührte Ruhepol der Region. Bekannt ist das waldreiche Plateau für seine tiefen Höhlen. Die Lichterhöhle und die Hampelhöhle entstanden ab 1870 durch den harten Broterwerb des Sandbrechers Friedrich Hempel. Er kratzte den mürben Sandstein mühsam ab, um ihn als Reinigungssand zu verkaufen.

Das Gehege zwischen Kleinhennersdorf und Papstdorf bringt uns ganz nah an die Natur. Die Tiere sind an Menschen gewöhnt, besitzen aber hochempfindliche Magensysteme, weshalb das Füttern mit Brot oder Äpfeln für sie lebensgefährliches Gift ist. Neben dem Gehege mit seinen seltenen weißen Hirschen wartet die kleine Holzspielbahn „Berndi“ auf die Jüngsten.

Der Aufstieg zum 451 Meter hohen Papststein führt sportlich über in den Fels gehauene Stufen und Eisentreppen. Berühmt ist der Tafelberg, der 1972 einen gewaltigen Felssturz erlebte, für seine grandiose Rundumsicht. Die traditionsreiche Berggaststätte, die direkt neben einem historischen Feuerwachturm liegt, bewirtet Wandernde bereits seit 1862.

Der Gohrisch wirkt mit seinem zerklüfteten Felsrücken wie eine unbezwingbare, natürliche Festung der Region. Erst im späten 19. Jahrhundert wurde der wilde Berg durch Trittstufen für den Tourismus gezähmt. Seine spektakuläre Wetterfahnenaussicht an der Westseite bietet einen atemberaubenden Rundblick über den Lilienstein, den Pfaffenstein und die Festung Königstein.

Der Gohrisch verbirgt spannende Abgründe: Die extrem enge Falkenschlucht fordert uns an steilen Leitern heraus. Oben auf dem Plateau liegt die Schwedenhöhle, die im Dreißigjährigen Krieg als Zuflucht diente. An der Ostseite stoßen wir auf den historischen Specksteinstollen von 1583, der heute als wichtiges Winterquartier für Fledermäuse streng geschützt ist.

Unter unseren Sohlen liegt ein geologisches Archiv aus 20.000 Jahren Landschaftsgeschichte. Auf dem vier Kilometer langen Bodenlehrpfad rund um den Gohrisch lernen wir den kargen, grau-gebleichten „Podsol“-Boden und fruchtbaren eiszeitlichen Lösslehm kennen. Ein interaktives Bodenquiz an den Stationen sorgt auch bei Kindern für Begeisterung.

Wir erreichen unser Etappenziel: den Kurort Gohrisch, den allerersten klimatischen Kurort der Sächsischen Schweiz. Ab 1869 blühte hier die Sommerfrische auf, wovon die hellen Villen zeugen. Im Juli 1960 komponierte Dmitri Schostakowitsch hier in nur drei Tagen sein berühmtes 8. Streichquartett. Die historische Friedenslinde markiert unser Ziel.