Die Stille der unberührten Wälder
Routenverlauf

Die fünfte Etappe des Malerwegs beginnt an der Neumannmühle und führt über 13,6 km in etwa sieben Stunden durch eine ruhige, naturbelassene Landschaft entlang der Kirnitzsch.
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Die 13,6 Kilometer lange fünfte Etappe führt in ca. 7 Stunden von der Neumannmühle nach Schmilka. Mit 587 Höhenmetern im Aufstieg bezwingen wir den Großen Winterberg, den höchsten Punkt des Malerwegs. Die waldreiche Route führt vorbei an der Buschmühle, der Kleinsteinhöhle, dem Zeughaus und der Kipphornaussicht hinab ins malerische Elbtal.

Die historische Buschmühle im Kirnitzschtal wurde 1592 erstmals als Brettmühle erwähnt. Nach einem Brand Ende des 18. Jahrhunderts entstand sie am heutigen Standort neu. Bis 1992 wurde hier Getreide geschrotet. Heute ist die urige Mühle, die sogar als Hollywood-Drehort für „Der Vorleser“ diente, eine beliebte Kultkneipe für Wandernde und Kletternde.

Auf dem 327 Meter hohen Arnstein thronen die Überreste der mittelalterlichen Felsenburg Arnstein. Einst im Besitz derer von der Duba, diente sie im 15. Jahrhundert Raubrittern wie Siegmund von Wartenberg als Unterschlupf und Gefängnis. Nach einer Belagerung brannte die Feste nieder und gilt seit 1456 als endgültig aufgegeben und verfallen.

Der berühmte Dresdner Maler und Radierer Adrian Ludwig Richter (1803–1884) prägte die Epochen der Spätromantik und des Biedermeiers. Schon als Dreizehnjähriger wanderte er durch die Sächsische Schweiz und hielt ihre Schönheit in weit verbreiteten Ansichtenbüchern fest. Seine Skizzen dienten später als Vorlage für die Rekonstruktion historischer Orte.

Der 327 Meter hohe Kleinstein ist ein bedeutender Kletterfelsen mit über 90 Wegen. An seiner Südseite liegt die beeindruckende Kleinsteinhöhle, nach dem Kuhstall das zweitgrößte Felsentor der Region. Sie ist zehn Meter hoch und bot schon 1820 Adrian Ludwig Richter ein beliebtes Motiv. Nahe dem Eingang zeugt eine Felsinschrift von 1586.

Die unterhalb von Saupsdorf gelegene Räumichtmühle versorgte die Region wohl schon im 15. Jahrhundert mit Mehl. Nach einem prachtvollen Neubau im Jahr 1811 erhielt sie Mitte des 19. Jahrhunderts das Schankrecht. Der Mühlenbetrieb endete 1904, doch das historische Gebäude beherbergte noch bis vor wenigen Jahren eine traditionsreiche und gemütliche Gaststätte.

Um den Malerweg fortzusetzen, biegen wir an der Straße angekommen scharf rechts ab. Nach etwa 100 Metern parallel zur Fahrbahn erreichen wir auf der linken Seite den waldigen Einstieg in die engen Mühlschlüchte, die uns tiefer in die faszinierende Geologie und die unberührten Täler des Nationalparks führen.

Das Kleine (417 Meter) und das Große Pohlshorn (378 Meter) ragen als markante Erhebungen empor. Geologisch sind sie Zeugen des Tertiärs: Vor 65 Millionen Jahren durchbrachen vulkanische Basaltgänge wie der Zeughausgang die älteren Sandsteinschichten. Vom Großen Pohlshorn bietet sich ein grandioser Blick über den wilden Großen Zschand.
Die Kirnitzsch entspringt in Böhmen und windet sich als wertvolles, sauberes Fließgewässer durch die Sächsische Schweiz. Während ihr unberührter Oberlauf Trinkwasserqualität besitzt, verändern Wehre im Unterlauf den Flusslauf. Dank gezielter Schutzmaßnahmen kehren seltene Arten wie Lachs, Eisvogel und Fischotter heute zunehmend in ihr Bett zurück.

Das historische Zeughaus wurde 1728 unter August dem Starken als hölzernes Jagdlager errichtet und 1820 als Steinbau neu aufgebaut. Nach Nutzungen als Grenzpolizeikaserne und DDR-Ferienheim beherbergt es heute wieder eine Waldgaststätte. In der Revierförsterei informiert die Nationalparkstelle über die Geschichte der historischen Jagd.

Der Große Zschand ist mit sechs Kilometern das längste Trockental des Elbsandsteingebirges. Im Mittelalter diente die schluchtartige Passage als wichtiger Handelsweg nach Böhmen. Heute beginnt ab dem Zeughaus die streng geschützte Kernzone des Nationalparks, die durch ein kühles Kellerklima und beeindruckende Felswände wie die Thorwalder Wände besticht.

Die auf 430 Metern gelegene Goldsteinaussicht bietet ein märchenhaftes Panorama über den Großen Zschand bis weit nach Böhmen. Beim Blick über die unendliche Waldlandschaft werden jedoch auch die Spuren des Borkenkäferbefalls sichtbar, der seit 2018 die Fichtenbestände durch Dürre und Hitze stark dezimiert hat. Doch die Natur regeneriert sich langsam selbst.

Waldbrände entstehen in Deutschland zu 75 % durch fahrlässige Brandstiftung. Eine extreme Ausnahmesituation erlebte die Region im Juli 2022, als ein verheerendes, von einem Brandstifter gelegtes Feuer nahe dem Prebischtor auf sächsisches Gebiet übergriff. Erst nach wochenlangen, intensiven Löscharbeiten der Feuerwehr konnte der Katastrophenalarm aufgehoben werden.

Das tschechische Prebischtor ist mit 26,5 Metern Spannweite die größte natürliche Sandstein-Felsbrücke Europas. Um das ikonische Nationaldenkmal vor Erosion zu schützen, ist das Betreten seit 1982 verboten. Direkt daneben thront das historische Ausflugshotel „Falkennest“, das der Fürst Edmund von Clary-Aldringen im Jahr 1881 für Reisende errichten ließ.

Mit 553,8 Metern ist der Große Winterberg die zweithöchste Erhebung der Sächsischen Schweiz. Sein markanter Basaltkegel thront auf einem weiten Sandsteinsockel und beheimatet 250 Jahre alte Rotbuchen. Das denkmalgeschützte Berghotel im Schweizerhausstil wurde 1846 erbaut. Nach vorübergehender Schließung sorgt eine Interimsbewirtschaftung wieder für Verpflegung.

Die Kipphornaussicht bietet auf 480 Metern Höhe ein spektakuläres 270-Grad-Panorama über das tief eingeschnittene Elbtal und die fernen Tafelberge. Von hier blicken wir sogar zurück auf die hellen Felswände der Bastei aus der 2. Etappe. Das mystische Spiel aus Licht und Morgennebel faszinierte einst schon den romantischen Maler Caspar David Friedrich.

Am Etappenziel erwartet uns das idyllische Grenz- und Bio-Dorf Schmilka. Die historische, erstmals 1582 erwähnte Mühle wurde liebevoll nach historischen Zeichnungen rekonstruiert. Der einstige Schiffer- und Steinmetzort überwand den Strukturwandel der Nachwendezeit erfolgreich und ist heute als staatlich anerkanntes Kneippheilbad ein beliebtes Refugium.