Sanfter Ausklang an der Elbe
Routenverlauf

Die achte und letzte Etappe des Malerwegs führt von Weißig auf 13,8 km in rund 5 Stunden zurück nach Pirna.
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Die 13,8 Kilometer lange achte Etappe führt uns in rund fünf Stunden von Weißig zurück zum Ausgangspunkt nach Pirna. Mit moderaten 256 Höhenmetern im Aufstieg ist das große Finale gut machbar. Wir überqueren den Rauenstein-Gratweg, passieren das historische Robert-Sterl-Haus, folgen der Königsnase hinab zur Elbe und wandern direkt in die Altstadt von Pirna.

Der Rauenstein ist ein stark zerklüfteter, 303 Meter hoher Tafelberg in der Elbschleife bei Rathen. Er gilt als offenes Geschichtsbuch: In Felsspalten eingemeißelte Jahreszahlen zeugen von Schutzsuchenden während der Napoleonischen Kriege. Der spektakuläre Gratweg von 1885 führt uns über Leitern und Felsstufen direkt zu einer historischen Berggaststätte.

Versteckt an der Südseite des Rauenstein-Massivs liegt der Pudelstein, ein einzigartiges geologisches Denkmal. Seine raue Oberfläche ist mit markanten, kugelförmigen Brauneisen-Knollen übersät. Da diese extrem harten Eisenkrusten der Verwitterung weitaus besser trotzen als der weichere Sandstein, ragen sie heute plastisch und wie kleine Knöpfe aus dem Fels empor.

Der 1848 eröffnete Haltepunkt Wehlen-Pötzscha leitete die Ära der Sommerfrische ein. Das Empfangsgebäude im verspielten Schweizer Stil zeugt von historischer Badekultur. Zum Schutz vor Hochwassern wurde die Trasse hoch am Hang errichtet. Einst Umschlagplatz für tonnenschwere Mühlsteine, ist der Bahnhof heute das Tor für Ausflügler aus Dresden.

Das Wohn- und Atelierhaus des bedeutenden Impressionisten Robert Sterl (1867–1932) in Naundorf wirkt wie eine Zeitkapsel. Es ist im Originalzustand erhalten: Seine Paletten, Pinsel und Staffeleien stehen noch unberührt an ihrem Platz. Als Museum beherbergt das Anwesen einen einzigartigen Kunstschatz aus rund 235 Ölgemälden und über 2.600 Zeichnungen.

Die zerklüftete Wildnis der Elbleite war im 19. Jahrhundert eines der größten Industriezentren Europas. Unter lebensgefährlichen Bedingungen brachen Steinmetze hier den hochwertigen Sandstein für Prachtbauten wie die Dresdner Frauenkirche. Verborgen im dichten Wald erinnern „Himmelsleitern“ und alte Mühlsteine an die schwere Arbeit am Hang.

Die markante Königsnase ist ein 1539 erstmals erwähnter Felsvorsprung und ein strategischer Meilenstein unserer Tour. Hier endet der Höhenweg und führt uns steil hinab ins Elbtal. Einst diente der exponierte Fels als wichtiger Orientierungspunkt für die Elbschifffahrt. Heute bietet der bewaldete Rastplatz schöne Ausblicke flussabwärts nach Pirna.

Das eng an das Elbufer gepresste Häuslerdorf Obervogelgesang blickt auf eine lange Tradition zurück. Bereits vor 200 Jahren kehrten die ersten Romantiker im historischen Gasthof ein. Eine monumentale Stützmauer der Eisenbahn prägt den schmalen Ort. Zu Zeiten des Nationalsozialismus wurde der offizielle Namenszusatz „Sächsische Schweiz“ zwangsweise verboten.

Auf dem asphaltierten und barrierefreien Elberadweg wandern wir unmittelbar am ruhigen Ufer des Flusses entlang. Der berühmte Fernweg erstrecht sich über 1.200 Kilometer von der tschechischen Quelle bis an die Nordsee. Nach anstrengenden Wandertagen auf schmalen Felspfaden bietet uns dieser flache Abschnitt einen wunderbar entspannten Ausklang der Wanderung.

Wir befinden uns nun auf dem rot markierten, vier Kilometer langen Canalettoweg. Er ehrt Bernardo Bellotto, genannt Canaletto, der als Hofmaler ab 1753 mit elf weltberühmten Stadtansichten (Veduten) die Seele Pirnas einfing. Dank modernster Hilfsmittel zeichnete er die Altstadt so präzise, dass sie uns noch heute wie ein lebendiges Gemälde empfängt.

Das majestätische Schloss Sonnenstein thront auf einem Felsplateau 70 Meter über der Elbe. Die um 1269 erwähnte Anlage widerstand im Dreißigjährigen Krieg schwedischen Belagerungen und wurde später zur ersten staatlichen psychiatrischen Heilanstalt Deutschlands umgebaut. Heute lockt das sanierte Areal mit terrassenartigen Gärten und Bastionen.

Ein tief dunkles Kapitel überschattet das Plateau des Sonnensteins. In den Jahren 1940 und 1941 ermordeten die Nationalsozialisten in einer geheimen Tötungsanstalt im Keller des Hauses C 16 über 13.700 psychisch kranke Menschen und KZ-Häftlinge. Die Gedenkstätte und bunte Kreuze der „Gedenkspur“ erinnern heute mahnend an die unzähligen Opfer.

Wir erreichen das Ziel: Die historische Altstadt von Pirna empfängt uns als städtebauliches Juwel aus Sandstein. Prächtige Bürgerhäuser, das Rathaus von 1555 und die spätgotische Stadtkirche St. Marien zeugen vom historischen Handelsreichtum. Am Markt endet der Malerweg offiziell am spätgotischen Canalettohaus, wo unsere Wanderurkunde wartet.