Königliche Aussichten und stille Zeugen
Routenverlauf

Die siebte Etappe des Malerwegs führt auf 16,6 km in etwa 6,25 Stunden durch die Tafelberglandschaft der linkselbischen Seite.
Audioguide

Die siebte Etappe führt auf anspruchsvollen 16,6 Kilometern vom Kurort Gohrisch zum Etappenziel nach Weißig. Rund sechs Stunden und 15 Minuten Gehzeit bieten spektakuläre Pfade. Über das „Nadelöhr“ erklimmen wir den Pfaffenstein, umrunden den Quirl, steigen hinab nach Königstein und wandern schließlich über Thürmsdorf nach Weißig.

Das erstmals 1437 urkundlich erwähnte Waldhufendorf Pfaffendorf schmiegt sich malerisch an einen Bachlauf. Die stattlichen Dreiseitenhöfe zeugen vom einstigen Wohlstand durch die ertragreiche Landwirtschaft und die Lage an der alten Tetschener Handelsstraße. In Notzeiten flohen die Bauern mitsamt ihrem Vieh auf den schützenden Pfaffenstein.

Der über 430 Meter hohe Pfaffenstein wird wegen seiner Höhlen und Schluchten auch als „Sächsische Schweiz im Kleinen“ bezeichnet. Archäologische Funde belegen eine Besiedlung durch die Lausitzer Kultur vor 3.000 Jahren. Das 1997 endgültig festgesetzte Naturschutzgebiet beheimatet heute wieder seltene Wanderfalken und Uhus.

Im Jahr 1880 eröffnete Paul Ulbrich eine Sommerwirtschaft auf dem Pfaffenstein. Der markante Fachwerkbau von 1891 ist bis heute das Herzstück der Berggaststätte. 1904 wurde der hölzerne Aussichtsturm durch einen 29 Meter hohen Steinturm ersetzt. Seit 1912 erleichtert eine Materialseilbahn den anspruchsvollen Gütertransport zum Plateau.

Die 43 Meter hohe, freistehende Felsnadel Barbarine ist das weithin bekannte Wahrzeichen des Pfaffensteins. Ihre Erstbesteigung gelang 1905 Rudolf Fehrmann und Oliver Perry-Smith. Um die durch Blitzeinschläge und Erosion stark gefährdete Felsnadel dauerhaft zu bewahren, gilt an dem Naturdenkmal bereits seit 1975 ein striktes Kletterverbot.

Im Herbst 1854 wurde der Pfaffenstein Schauplatz eines echten Kriminalfalls. Der aus dem Gefängnis geflohene Lithograph Friedrich Goldschmidt betrieb hier in einer feuchten Höhle eine geheime Fälscherwerkstatt. Unterstützt von seinem Schwager druckte er falsche Guldenscheine, bis das Treiben aufflog und drakonische Strafen folgten.

Vor rund 3.000 Jahren schufen die Menschen der Lausitzer Kultur auf dem Pfaffenstein eine beeindruckende Befestigungsanlage aus Erde und Holz. Ein 200 Meter langer Wall schützte das Plateau in Notzeiten. Rätselhaft bleibt ihr Glaube, bei dem kostbare Bronzegegenstände rituell der Erde anvertraut wurden, sowie das abrupte Ende der Kultur um 500 vor Christus.

Der 350 Meter hohe Quirl besitzt die flächenmäßig größte geschlossene Gipfelebene aller Tafelberge, auf der früher sogar Getreide angebaut wurde. Wegen seiner Nähe zur Festung Königstein hatte der Berg strategische Bedeutung. Zahllose Erosions- und Einsturzhöhlen an den Flanken machen den Quirl zu einem wahren geologischen „Schweizer Käse“.

Am Nordosthang des Quirls liegt der Diebskeller, die flächenmäßig größte Schichtfugenhöhle der Sächsischen Schweiz. Auf 230 Quadratmetern bietet das gewaltige Felsendach seit Jahrhunderten Schutz. Ein steinerner Tisch von 1755 erinnert an kurfürstliche Jagden, während die Höhle 1885 einer berüchtigten Räuberbande als Hauptquartier diente.

Die geschichtsträchtige Stadt Königstein liegt an der Mündung der Biela in die Elbe. Einst ein umkämpfter Grenzort zwischen Meißen und Böhmen, entwickelte sich das Schifferstädtchen im 19. Jahrhundert zu einem Tourismuszentrum. Die barocke Stadtkirche St. Marien von George Bähr thront erhöht und blieb so von verheerenden Hochwassern verschont.

Dem sächsischen Hofmaler Johann Alexander Thiele (1685–1752) ist die 7. Etappe gewidmet. Als einer der ersten Künstler hielt er das Elbsandsteingebirge in topografisch präzisen Gemälden fest. Mit seinem meisterhaften „Guckkasten-Effekt“ inszenierte er die erhabene Natur und machte die wildromantische Landschaft am Dresdner Hof salonfähig.

Die Festung Königstein thront uneinnehmbar auf einem 9,5 Hektar großen Felsplateau 240 Meter über der Elbe. Ein 152,5 Meter tiefer, von Hand getriebener Brunnen sicherte die Wasserversorgung. Als „Sächsische Bastille“ diente die Anlage als Staatsgefängnis, war aber auch Ort prunkvoller Feste sächsischer Kurfürsten.

Im 19. Jahrhundert flüchtete das Dresdner Bürgertum vor Hitze und Staub zur „Sommerfrische“ in die Sächsische Schweiz. Dank Dampfschifffahrt und Eisenbahn entwickelte sich die Region rasch zum florierenden Tourismuszentrum. Es entstanden verspielte Villen im Schweizer Stil, in denen auch Künstler wie Hans Christian Andersen flanierten.

Das malerische Schloss Thürmsdorf wurde ab 1907 unter Erich Freiherr von Biedermann zu einem repräsentativen Herrensitz umgebaut. Nach dunklen Kapiteln als KZ-Außenlager-Bauleitung im Weltkrieg beherbergt das sanierte Schloss heute Sachsens erste biozertifizierte Schokoladenmanufaktur „Adoratio“ im historischen Gewölbe.

Vom Thürmsdorfer Plateau blickt man direkt auf die Friedrichsburg, den achteckigen „Gelben Pavillon“ an der Festungsmauer. Hier verbrachte der Porzellanerfinder Johann Friedrich Böttger 1706 eine Zeit der erzwungenen Untätigkeit. Später wurde das barocke Gebäude von August dem Starken mit einem mechanischen Hubtisch ausgestattet.

Die kreisrunde Malerweg-Kapelle wurde 1920 von Erich Freiherr von Biedermann als Mausoleum für seine früh verstorbene Ehefrau Helene erbaut. Nach Jahrzehnten des Vandalismus und einer Umbettung der Gebeine wurde das neoklassizistische Denkmal nach der Wende gerettet und im Jahr 2016 als ökumenische Kapelle feierlich geweiht.

Die weite Struppener Ebenheit verdankt ihre Fruchtbarkeit einer eiszeitlichen Lösslehmschicht auf der Sandsteintafel. Der Obstanbau geht auf ein kurfürstliches „Ehestands-Baumgesetz“ von 1577 zurück. Heute prägen moderne Niederstamm-Plantagen das Bild, die bei Spätfrost im Frühjahr durch aufwendige Frostschutzberegnung geschützt werden.

Das hochgelegene Etappenziel Weißig schmiegt sich in einem hufeisenförmigen Platzdorf um eine natürliche Senke. Die geschlossenen Fachwerk- und Dreiseitenhöfe stehen seit 1993 unter Denkmalschutz. Der Ort wurde 1431 erstmals erwähnt und ist der Geburtsort des berühmten Barockkomponisten Christian Petzold.